Weltwoche: Herr Stöcker, wer sind Sie? 

Winfried Stöcker: Ich bin die ersten vierzehn Jahre in der DDR aufgewachsen, im Kreis Löbau. Dort hat mein Vater einen Betrieb geführt, eine Produktion von Bindegarn und eine Seilerei. Unsere sechsköpfige Familie ist dann aber nach Westdeutschland gezogen, weil wir die Repressalien, denen wir in der DDR ausgesetzt waren, nicht mochten. Ich habe die freiheitlichen Bedingungen in Westdeutschland genossen, hier war es möglich, Ideen zu verwirklichen. Im Augenblick, muss ich leider sagen, geht es mit der Freiheit in Deutschland den Berg hinunter. Wir werden bevormundet, der Spass wird uns verdorben.

 

Weltwoche: Sie haben der AfD 1,5 Millionen Euro gespendet, die grösste Spende der Parteigeschichte. Warum?

Stöcker: Ich habe noch verschiedene Dinge vor und werde dabei behindert. Ich habe etwa den Lübecker Flughafen in meine Hände genommen, aber meine Vorhaben werden von den regierenden Parteien regelrecht torpediert – auch gegen den Willen der Bevölkerung. Sollten wir irgendwann eine anständige konservative Partei – wie es die AfD ist – als Regierung bekommen oder zum Mitregieren, dann sollten diese Schwierigkeiten behoben sein. Gegenwärtig sind die falschen Leute am Ruder, die gehören weg.

 

Weltwoche: Verstehe ich Sie richtig, Ihre Spende hat mehr lokale als nationale Zwecke?

Stöcker: Ich habe zwar partikulare Interessen, aber insgesamt ist mir völlig klar, dass die Partei AfD unterstützt werden muss. Es geht dabei nicht darum: Ich gebe euch das Geld, wenn ihr mir helft, den Flughafen zu ertüchtigen. Aber ich bin davon überzeugt, dass nur diese Partei grundsätzlich in der Lage ist, Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen. Die Altparteien, unter denen wir zurzeit leiden, machen das nicht ordentlich genug. Und ich bedaure schon, dass ich nicht mehr gegeben habe. Das wird aber demnächst wahrscheinlich noch passieren, wenn es denn gebraucht wird.

 

Weltwoche: Wie können Sie dieses Geld erübrigen?

Stöcker: Ich bin ja schon 78, inzwischen habe ich etwas Geld angespart.

 

Weltwoche: Sie sollen der AfD bereits 2019 grosszügig Geld gespendet haben. Können Sie sagen, was Sie an dieser umstrittenen Oppositionspartei gut finden?

Stöcker: Ich habe es einfach so satt, was hier alles passiert. 2014 habe ich Balkanflüchtlingen ein Fest verboten, das jemand für sie in meinem Kaufhaus abhalten wollte. Das war dann in allen Gazetten. Ich sei ein mieser Kerl, wurde mir bescheinigt, ich hätte kein Herz, sei fremdenfeindlich. Dummes Zeug. Da habe ich gemerkt, jetzt dreht der Wind. Und das ärgert mich. Dieser Woke-Wahn, der geht mir – und vielen anderen auch – auf die Nerven. Die übertriebene Bürokratie, unter der wir leiden. Die Ineffizienz. Wirtschaftlich geht alles runter, der Naturschutz wird übertrieben. Die AfD steuert diesem Wahnsinn als einzige Partei gegen.

 

Weltwoche: Was finden Sie weniger gut? Wo sehen Sie bei der AfD Verbesserungspotenzial?

Stöcker: Es gibt nichts Schlechtes. Die AfD wird ausserordentlich gut vertreten, sie hat keine schlechten Ziele. Das sieht man an dieser Asylantenkrise, da haben sie damals schon gesagt, wir wollen keine unberechtigten Asylanten im Land; wer aber an Leib und Leben gefährdet ist, dem wollen wir unbedingt die Hand reichen. Und wer den Sozialstaat nur ausnutze, müsse zurück, was man heute auch als «Remigration» bezeichnet. Dafür hat man die AfD immer beschimpft. Doch genau das machen sie heute ja, die etablierten Parteien, also CDU, SPD und Co., die sagen alle, wir wollen die unberechtigten Asylanten zurückführen, die hereinströmen, ohne sich zu Hause in einer Notlage zu befinden. Die Leute, die in der AfD wirken, sind aus meiner Sicht die vernünftigsten. Sie sollten ans Regieren kommen.

 

Weltwoche: Die AfD wird verschiedentlich als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft vom Verfassungsschutz.

Stöcker: Nicht die Spur davon ist wahr. Das ist eine Lüge. Es gab zum Beispiel vor anderthalb Jahren in Potsdam eine Konferenz. Der Bericht von Correctiv war erstunken und erlogen, was auch von einem Gericht in Berlin so dargestellt wurde. Und diese grobe, offensichtliche Lüge hat die Öffentlichkeit dazu gebracht, gegen rechts zu marschieren. Millionen haben sie auf die Strasse gehetzt. Ich bin sehr unglücklich, dass meine Mitbürger denen auf den Leim gegangen sind.

 

Weltwoche: Was würden Sie einem Mitbürger sagen, der bei der AfD kein gutes Gefühl hat?

Stöcker: Rot, Grün und Gelb haben ein derartiges Chaos hinterlassen. Wenn Sie wirklich wollen, dass die weiterregieren, sind Sie selbst schuld. Mein Vorschlag wäre, erst mal schauen, wie es mit jemand anderem in der Regierung ist, und dann sehen wir weiter.

 

Weltwoche: Was ist derzeit das grösste Problem Deutschlands?

Stöcker: Der Russland-Krieg, glaube ich. Der ist für uns absolut gefährlich. Man müsste verhandeln, jeder gibt, jeder kriegt was, bevor man sich mit Atombomben bewirft. Ich erhoffe mir viel vom amerikanischen Präsidenten, obwohl er auch nicht der Musterdiplomat ist, er macht, was ihm gerade einfällt. Aber Frau Baerbock spielt lieber Schulmeisterin für Herrn Putin, anstatt mit diplomatischen Massnahmen den Krieg einzudämmen.

 

Weltwoche: Wenn Sie die deutsche Aussenministerin beraten könnten, was wäre zu tun?

Stöcker: Ich glaube, diese Person ist beratungsresistent. Man müsste auf Putin zugehen, man müsste der Ukraine sagen, ihr dürft nicht in die Nato, das wäre der Tod. Lettland, Litauen, Estland befürchten, sie werden von Russland überfallen. Dann müsste man das mit den Russen aushandeln und sagen: Putin, pass mal auf, die Ukraine geht nicht in die Nato, sie gibt ein bisschen von den Gebieten ab, aber die Nato darf in den drei kleinen Ländern oben fest stationiert werden.

 

Weltwoche: Sie haben das Buch «DDR 2.0» geschrieben. Was erinnert Sie an alte Tage?

Stöcker: Sie kriegen so viele Vorschriften gemacht, wo Sie sich sagen: Das ist eigentlich meine Entscheidung.

 

Weltwoche: Wo liegt das Missverständnis über Ostdeutschland und die Ostdeutschen?

Stöcker: Im Osten sind die Leute viel aufgeschlossener, auch was die AfD betrifft. Sie haben noch in Erinnerung, wie schlecht ihnen die Bürokratie bekommen ist. Sie merken, dass es wieder in diese Richtung geht, das lehnen sie ab, diesen Dirigismus durch den Staat.

 

Weltwoche: Was halten Sie von der CDU? Wie beurteilen Sie CDU-Chef Friedrich Merz?

Stöcker: Na ja, wer gerade im Bundestag zugeguckt hat, wie sich dieser Herr verstellt und wie er heuchelt, um Kanzler zu werden – das ist sein höchstes Ziel. Er hat es ja vor sechzehn Jahren nicht geschafft, da ist es Frau Merkel geworden. Leider. Mit ihm wäre es wahrscheinlich weniger schlimm gewesen, aber man merkt, dass er jetzt unbedingt Kanzler werden möchte. Diese Brandmauer, das ist die allergrösste undemokratische Unverschämtheit. Höchste Zeit, dass Schluss gemacht wird mit der Vergewaltigung der Demokratie.

 

Weltwoche: Was erleben Sie seit Ihrer Spende? Wie reagieren die Menschen?

Stöcker: Es ist geteilt. Aber ich lasse mich davon nicht beeindrucken. Ich mache das, was ich für richtig halte. Ich habe das Gefühl, die Leute können sich vorstellen, dass ich ein vernünftiger Mensch bin, ich bin erfolgreich, anständig. Es gibt Plattformen, wo die Mitarbeiter ihre Firmen bewerten. Wir haben da immer ganz oben abgeschnitten.

 

Weltwoche: Ihr Ratschlag, damit sich das politische Klima in Deutschland bessert?

Stöcker: Wenn die Menschen diese Aufdringlichkeit des Staates sehen, dass er uns genau sagt, was wir zu denken und zu tun haben, wenn sie das ablehnen, werden sie sich hoffentlich dagegenstellen. Die Leute sollen frei sein, sich ein Bild machen, ein vernünftiges, nicht mittels der öffentlich-rechtlichen Sender. Ich meine, wir haben grosse Chancen: Das Internet gibt uns die Möglichkeit, von allen Seiten Informationen zu beziehen. Davon sollten die Menschen unbedingt Gebrauch machen und nicht das glauben, was der Staat behauptet. Ich würde sogar sagen, wenn der Staat etwas sagt, dann stelle ich es gleich in Frage.

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