Alice Weidel nennt Viktor Orban ein Vorbild und verspricht: «Wir werden dem Pfad Ungarns folgen»

Die Vorsitzende der AfD wurde in Budapest vom ungarischen Ministerpräsidenten empfangen. Sie ist voll des Lobes für ihren Gastgeber – der sich von der Deutschen und ihrer Partei ebenfalls überzeugt zeigt. Endet damit die Aussenseiterrolle der AfD in Europa?

Anna Schiller, Berlin 3 min
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Weidel und Orban an diesem Mittwoch in Budapest.

Weidel und Orban an diesem Mittwoch in Budapest.

Szilard Koszticsak / AP

Innerhalb der Europäischen Union war die AfD bislang ein Paria. Selbst den anderen Rechtsaussenparteien galt sie als zu extrem. Eine gemeinsame Fraktion mit den Deutschen im Europäischen Parlament kam für sie nicht infrage.

Auch die Partei des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban hielt bislang Abstand zur AfD. Am Mittwoch wurde die Vorsitzende Alice Weidel nun jedoch von ihm in Budapest empfangen. Gleich zu Beginn der gemeinsamen Pressekonferenz sprach Orban seine frühere Distanz offen an.

Er sei sich bewusst, dass ihr Treffen pikant sei, räumte Orban ein. Vertreter der AfD würden in der Regel nicht von den Ministerpräsidenten anderer europäischer Länder empfangen. Es sei jedoch höchste Zeit, das zu ändern.

«Alles, was die AfD vertritt, wäre für Ungarn sehr gut»

Orban machte deutlich, dass sich die Beziehungen zwischen Deutschland und Ungarn unter einer Regierung mit Beteiligung der AfD aus seiner Sicht verbessern würden. «Alles, was die AfD heute vertritt, wäre für Ungarn sehr gut», sagte er.

Anschliessend überliess er es Weidel, diese Ziele zu erläutern. «Deutschland ist ein schwaches Land geworden», sagte sie. Die frühere Kanzlerin Angela Merkel habe das Land ruiniert. Sie sei die erste grüne Kanzlerin Deutschlands gewesen.

Seither leide Deutschland unter hohen Energiepreisen und hohen Abgaben. Weidel versprach umfassende Steuersenkungen und eine vernünftige Energiepolitik, in der auch die Atomkraft eine Rolle spielen soll. Deutschland solle wieder stolz sein können – so wie bereits die Ungarn auf ihr Land stolz sein könnten. Weidel war voll des Lobes für Orban. «Sie sind für uns ein besonderes Vorbild. Wir werden dem Pfad von Ungarn folgen», sagte sie.

Einig waren sich Weidel und Orban in ihren Ansichten zur Europäischen Union. Orban kritisierte, dass Brüssel Politik gegen die Menschen betreibe. Die Menschen wollten etwa weniger Migration, die EU forciere diese jedoch.

Weidel will Beziehungen zu europäischen Staaten verbessern

Weidel sprach von einem «korrupten Überbau» in Brüssel. Den dortigen Funktionären empfahl sie, sich «vernünftige Jobs» zu suchen. Nur dann könnten sie nachvollziehen, welche Politik die Menschen wirklich brauchten.

Dennoch war Weidel auch bemüht, sich nicht gänzlich als Anti-Europäerin zu gerieren. Sie nannte es ihre «vornehmste Aufgabe», die Beziehungen zu den europäischen Nachbarn Deutschlands zu verbessern. Die EU müsse dringend reformiert werden, sagte sie. «Das geht jedoch nur von innen heraus.» Damit positionierte sie sich gegen Stimmen in ihrer Partei, die den Austritt Deutschlands aus der EU fordern.

Zumindest gegenüber Orban scheint Weidel ihre Partei ein Stück weit rehabilitiert zu haben. Nach dem Treffen schrieb er in einem Beitrag auf der Plattform X: «Heute habe ich die Zukunft Deutschlands getroffen.»

Noch vor kurzem hatte er sich im Gespräch mit der NZZ reservierter gezeigt. Die AfD sei eher eine Bewegung als eine Partei, sagte er. Da könnten verrückte Personen und Ideen auftauchen. Seine Offenheit für ein Treffen mit Weidel begründete er damit, dass eine Brandmauer das politische Denken primitiv mache.