Der 23-jährige Tatverdächtige wohnte im selben Gebäudekomplex. Erst als er versuchte, eine Ukrainerin zu töten, brachte man den toten CDU-Mann mit ihm in Verbindung. Vorher war er nicht straffällig.
Ein 23-jähriger Mann aus Guinea, der seit dem Wochenende unter Verdacht des Mordes und des versuchten Mordes steht, hat beide Taten gestanden. Das teilte das Innenministerium des ostdeutschen Bundeslands Brandenburg mit.
«Er hat sich zu beiden Taten geständig eingelassen», heisst es in einer Pressemitteilung der sozialdemokratischen Innenministerin Katrin Lange. Der Mann sei bisher nicht durch Straftaten polizeilich bekannt gewesen. Er arbeite als Pfleger und verfüge über eine Aufenthaltserlaubnis bis zum 23. Januar 2025, deren Verlängerung fristgerecht beantragt worden sei. «Nach jetzigem Kenntnisstand ist er nicht ausreisepflichtig», so Lange.
Der Tote Christoph Rosenschon war ein 26-Jähriger aus Beelitz, der sich in der CDU engagierte und im selben Gebäudekomplex wohnte wie sein mutmasslicher Mörder. Er wurde am 14. Januar mit durchschnittener Kehle in seinem Bett tot aufgefunden, während sein Wohnhaus brannte.
Der Fall wurde zunächst kaum publik. Ermittelt wurde gegen Unbekannt. Doch dann versuchte Rosenschons Nachbar, der aus Guinea stammende Mamadou Alpha B., am vergangenen Wochenende offenbar auch noch, eine 52-jährige Ukrainerin zu töten, indem er ihr mit einem Messer in den Hals stach. Inzwischen gilt es als annähernd sicher, dass er auch den 26-jährigen Brandenburger getötet hat. Womöglich hat er danach das Haus angezündet, um die Tat zu verdecken. Der Tatverdächtige sitzt seit Montag in Untersuchungshaft.
Am Sonntag war Mamadou Alpha B. festgenommen worden, am Montag wurde Haftbefehl erlassen. In welcher Haftanstalt er sitzt, wollte Isabelle Fabian, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Potsdam, nicht sagen. Laut dem Innenministerium wurde er in ein Haftkrankenhaus gebracht und sollte anschliessend in eine Justizvollzugsanstalt überstellt werden.
Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor nur bestätigt, dass dem Verdächtigen zwei Taten zur Last gelegt würden, nämlich die Tat vom 14. Januar, also die Tötung des jungen CDU-Mitglieds, und die vom 25. Januar, als er versucht habe, eine Frau zu töten. Die näheren Umstände würden noch ermittelt, dazu gebe man keine Auskunft.
Am Abend des 14. Januar waren mehrere Notrufe nahezu zeitgleich in der Feuerwehrleitstelle eingegangen, nachdem der Brand in dem Gebäude hinter den Neurologischen Fachkliniken ausgebrochen war. Zudem wurde die Brandmeldeanlage des Gebäudes ausgelöst, wie die «Märkische Allgemeine» damals berichtete. Die Feuerwehr sei mit einem Grossaufgebot angerückt und habe umgehend mit der Bekämpfung des Brandes begonnen.
In einem der betroffenen Zimmer fanden die Einsatzkräfte den toten Mann. Da er erkennbar getötet worden war, begannen Ermittlungen gegen Unbekannt. Erst der Angriff auf die Ukrainerin brachte die Erkenntnis, dass auch die Tötung des CDU-Mannes und womöglich die Brandstiftung an dem Gebäude auf den Mann aus Guinea zurückgingen.
Der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth, der keiner der etablierten Parteien angehört, sondern im «unabhängigen Kommunalbündnis» seiner Gemeinde aktiv ist, erklärte auf der Website der Gemeinde: «Ich bin erschüttert und zutiefst betrübt, dass es in Beelitz-Heilstätten erneut zu einer schweren Straftat gekommen ist.» In Beelitz und in Deutschland lebe man sicher, «auch wenn sich Gewalttaten momentan häufen und man das Gefühl haben könnte, dass sie an der Tagesordnung sind», so Knuth. Er hoffe dennoch, dass «die politisch Verantwortlichen in unserem Land aus den Vorfällen der letzten Zeit die notwendigen Konsequenzen ziehen».
Auf dem Instagram-Account von Christoph Rosenschon kondolierten Menschen unter dem letzten Eintrag des 26-Jährigen mit Worten wie «Mein Beileid. Mögest du in Frieden ruhen». Der Eintrag ist vom vergangenen Sommer, also schon älter. Warum Rosenschon sterben musste, ist bis jetzt rätselhaft. Die Vorgeschichte der Tat wird noch ermittelt.