Das Urteil von US-Präsident Donald Trump über die Europäer ist ebenso kurz wie prägnant: «Sie reden zu viel und liefern nicht.»

Das Urteil bezieht sich auf Merz, Macron und Co. und deren ständig scheiternde Kraftanstrengungen von Friedenspolitik bis Migrationspolitik. Auch nach Dutzenden von Sitzungen ist bei ihnen jeweils ausser Spesen nichts gewesen.

Auf unserem Fachgebiet, den Medien, ist es genauso. Europa ist in dieser Industrie längst kein Faktor mehr.

Das Jahr 2025 war in den Medien vom breiten Einzug einer neuen Technologie geprägt. Es war das Jahr, in dem die künstliche Intelligenz, KI genannt, auf den Redaktionen alltäglich wurde. Die KI übernimmt heute Recherchen, macht Datenanalysen, schreibt kürzere Artikel und dient zur Verifizierung von Fakten.

Beim Angebot der künstlichen Intelligenz haben die USA praktisch ein Monopol. Die Redaktionen verwenden heute die Softwares von Chat GPT, Claude, Grok, Gemini und Perplexity. Allesamt stammen sie aus San Francisco und Umgebung.

Europäische KI-Angebote von Belang gibt es nicht. Dafür haben die Bürokraten in Brüssel sofort ein riesiges Gesetzespaket vorgelegt, mit dem die führenden US-Anbieter von künstlicher Intelligenz reguliert und sanktioniert werden können. So ermittelt die EU bereits gegen die KI von Google, weil sie fremde Inhalte abkupfern soll.

Vergleichbare Bremsklötze baute die EU auch in den Social Media auf. Auch hier dominieren die US-Marken wie Instagram, Facebook, X, Youtube und Snapchat, ergänzt durch Tiktok aus China. Auch hier hat Europa nichts zu bieten und spielt darum erneut den kontrollierenden Polizisten.

Soeben hat die EU eine Busse von 120 Millionen Euro gegen Elon Musks Blog-Plattform X verhängt. Hauptargument für die Busse war, dass zahlende Abonnenten zu ihrem X-Account ein weisses Häkchen auf blauem Grund bekommen und die EU-Kommission diese Praxis zweifelhaft fand.

Beim Kritisieren sind die Europäer gross in Form, beim Produzieren deutlich weniger.

Ein Häkchen. Sorgen haben die in Brüssel. Elon Musk reagierte dementsprechend: «Die EU sollte abgeschafft werden.»

Vielleicht nicht die dümmste Idee. Tatsächlich ist Europa heute nur noch zweite oder dritte Garnitur — in der Politik abgehängt, in der Industrie abgehängt, in der Finanzkraft abgehängt, in den Medien abgehängt.

Da kommt etwas historische Wehmut auf. 1455 begann in Mainz mit dem Start des modernen Buchdrucks das Zeitalter der Massenmedien. 1650 erschien in Leipzig mit den Einkommenden Zeitungen die erste gedruckte Tageszeitung der Welt. In den USA setzten damals die Irokesen und Apachen noch auf Rauchzeichen als Mittel der Massenkommunikation.

Beim Radio, dem nächsten grossen Schritt, waren die Europäer zumindest noch gleichauf. Die ersten Radiostationen entstanden zwar um 1920 in den USA, aber die BBC wurde kurz danach die erste landesweite Rundfunkgesellschaft.

Seitdem schaut Europa der Medienentwicklung nur noch zu. 1952 gab es in Amerika bereits 15 Millionen TV-Zuschauer, in Deutschland und der Schweiz waren es jeweils deren 300.

Dann folgten Internetprovider, Webbrowser, Suchmaschinen, Online-News, Streaming-Dienste, Social Media und künstliche Intelligenz – alles kam aus den USA, und die Europäer konnten nur gehorchen.

 

Es gibt keinen anderen Industriezweig in Europa, der derart von den USA kolonialisiert ist wie die Medienbranche. Es gibt in Europa noch weltweit bedeutende Automobilhersteller, Pharmaproduzenten, Banken, Luxusunternehmen und Nahrungsmittelkonzerne. Europäische Medienunternehmen, die internationale Innovationen schaffen, gibt es nicht.

Dieses Bewusstsein der Kolonialisierung schlägt natürlich auch auf den Journalismus durch. Die verbindende Gemeinsamkeit auf den europäischen Redaktionen ist folgerichtig ihr ausgeprägter Antiamerikanismus. Man hinkt den USA in allen Punkten hinterher, und weil man das weiss, fühlt man sich den Amis zumindest moralisch überlegen, weil man sich im Gegensatz zu ihnen als lupenreine Demokraten fühlt.

«Auf dem Weg in den Faschismus» wähnt etwa die deutsche Zeit die USA. Amerika «gleitet in die Autokratie ab», weiss der Tages-Anzeiger aus der Schweiz.

Beim Kritisieren sind die Europäer gross in Form, beim Produzieren deutlich weniger. Oder wie Donald Trump sie beschreiben würde: «Sie reden zu viel und liefern nicht.»

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